Schweizer finden kein Gehör bei Jestettern. Bürger und Politiker diskutieren in Altenburg (Südkurier Kreis Waldshut)
Von jung bis alt, über alle Parteigrenzen hinweg waren die Menschen zum Protest gegen die Endlagerpläne der Schweizer Regierung zur Gemeindehalle Altenburg gekommen.

Hochrhein – Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfällen (Nagra) stellte am Mittwochabend im Jestetter Ortsteil Altenburg die möglichen Standorte für die Lagerung radioaktiver Abfälle in unmittelbarer Grenznähe vor. Es war die einzige Veranstaltung dieser Art auf deutschem Boden. Gut 400 Erwachsene und Kinder, die später zu Zuhörern in der Altenburger Gemeindehalle wurden, protestierten vor der Halle. Landrat Tilman Bollacher und Bürgermeisterin Ira Sattler sowie die anwesenden Bürger bemühten sich in aufgeladener Atmosphäre, von Vertreter der Schweizer Energiebehörden zu Schweizer Atomendlagerplänen zufriedenstellende Antworten zu bekommen.

Es war ein Menschenauflauf, wie ihn Altenburg noch selten gesehen hatte. Darunter die Bürgermeister Martin Benz, Alexander Fink, Jürgen Link und Volker Jungmann, Thomas Feurer, der Stadtpräsident von Schaffhausen, zahllose Gemeinderäte und Atomkraftgegner. Mittendrin Fernsehanstalten aus Deutschland und der Schweiz.
Franz Schnider und Michael Aebersold vom Bundesamt für Energie (BFE) hatten die undankbare Aufgabe, die Schweizer Pläne zur Atomendlagerung zu erläutern. Ein schwieriges Unterfangen, vor allem in Anbetracht der kritischen Anmerkungen von Landrat Bollacher und Bürgermeisterin Sattler. „Es heißt bewusst Mitwirkung und nicht Mitbestimmung“, erklärte Aebersold und zog sich damit den Unmut vieler Anwesender zu. Sein späterer Hinweis auf finanzielle Entschädigungen der betroffenen Gemeinden machte seinen Stand nicht einfacher.
Tilman Bollacher, verantwortlich für die 167 000 Einwohner des Kreises, machte seine starken Vorbehalte gegen die Endlager deutlich: „Wenn die Sicherheit oberstes Gebot ist, dann müssen alle Regionen der Schweiz mit der gleichen Intensität untersucht werden, nicht nur die Gebiete am Hochrhein.“ Ira Sattler kritisierte die Eile, in der das Verfahren durchgepeitscht werde. Nach ihrer Ansicht drängt die Schweiz nur deshalb auf einen Entsorgungsnachweis, weil dieser Voraussetzung für den Bau neuer Atomkraftwerke sei. „Höchste Sicherheit und Zeitdruck schließen sich aus“, so die Bürgermeisterin. Sie rief die Zuhörer und die Bevölkerung dazu auf, ihren Protest jetzt zu artikulieren. Für Ira Sattler steht der Ausbau der erneuerbaren Energien im Focus, was letztendlich die Abkehr von der Atomenergie bedeutet. Die BFE wollte die Endlagerfrage nicht mit dem Betrieb von AKWs verknüpfen.
Bei der abschließenden Diskussion mit den Vertretern von Nagra, Ensi (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektoriat) und BFE registrierten die Anwesenden voller Verwunderung, dass Markus Fritschi (Nagra) nicht über die Thermalquelle in Nack Bescheid wusste und kritisierten, dass er die Erdbebengefahr herunterspiele.

