Leserbrief zu „Ausschreitungen überschatten Castortransport“

Der Castortransport wurde von der Entscheidung der Regierung über die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und der Weitererkundung von Gorleben überschattet.
Was erwartet eine Regierung von ihrer Bevölkerung,
– wenn sie sich mit der Laufzeitverlängerung für noch mehr Atommüll entscheidet, den keiner haben will
– die verhöhnt wird durch die Äußerung des Umweltministers, Laufzeitverlängerung hätte nichts mit der Endlagerung zu tun
– wenn bei Gorleben wie bei Asse II im Nachhinein herauskommt, dass Gutachten, die gegen die Eignung sprachen, in der Schublade verschwanden und politische Entscheidungen mehr galten als geologische Erkenntnisse
– wenn der Umweltminister am Anfang des Jahres seinen Besuch im Wendland ankündigt, aber bis zum Castortransport im November noch nicht da war
– wenn die Bundeskanzlerin auf ihrer Energierundreise die AKWs und ihre Betreiber, nicht aber die Endlagerstandorte und ihre Bevölkerung besuchte
– wenn statt der Politiker Polizisten nach Gorleben geschickt werden, von denen viele mit dem Herzen auf Seiten der Bürgerinitiativen stehen, aber ihren Kopf für die Politik herhalten müssen
– wenn sie von den Bürgerinitiativen Argumente fordert, diese dann aber einfach ignoriert und im Interesse der vier neuen Besatzungsmächte – eon, Vattenfall, EnBW und RWE – entscheidet
– wenn von einer ergebnisoffenen Erkundung die Rede ist, aber Herr Öttinger über die EU keine Zeit für eine Erkundung anderer Standorte lässt
– wenn friedliche Demonstrationen von 100.000 Menschen wie in Berlin nicht mehr als eine Nachricht am anderen Tag wert sind und nicht zum Umdenken der Politiker führt
– wenn der Satz von Dieter Hildebrandt mehr denn je zutrifft: „Politik ist nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.“?

Eleonore Bischoff, D-Wolfenbüttel

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Aktivitäten