Leserbrief zum Sachplan Tiefenlager

Leserbrief veröffentlicht in den „Schaffhauser Nachrichten“ vom 11. November 2010 und in der „Andelfinger Zeitung“ vom 12. November 2010 unter dem Titel „Fragwürdig und widersprüchlich“

Das Bundesamt für Energie (BfE) fordert auf, bis Ende November Stellung zu nehmen zum Sachplan Tiefenlager. Das ist notwendig, weist doch dieses Projekt viele wichtige ungelöste Fragen  auf. In einer geologischen Schicht, in ca. 500 Meter Tiefe, im Opalinuston, plant die Nagra im Auftrag des BfE unterirdische Tiefenlager, unter anderen eines für radioaktive und hochradioaktive Atomabfälle im Weinland. Das grösste Risiko dabei ist der Opalinuston selbst. Dieses Material ist luftfeuchtigkeitsempfindlich und verwittert im Kontakt mit der Aussenluft. Das heisst, jede Öffnung im Opalinuston ist auf die Dauer instabil. Da sich aber der Opalinuston mit Beton nicht verträgt, kann dieser nicht zur Stabilisierung verwendet werden. Ob das mit anderen Materialen gelingen könnte, ist noch unklar. Gemäss ihren Unterlagen will die Nagra deshalb das Tiefenlager innerhalb weniger Jahre wieder verschliessen. Das kollidiert aber gänzlich mit der ebenfalls stetig postulierten „Sicherheit“, die es im herkömmlichen Sinn bei so langen Zeiträumen gar nicht gibt. Eine Sicherheit ohne Kontrolle ist eine Illusion. Das Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) postuliert dagegen eine langfristige Rückholbarkeit der deponierten Giftfässer. Ein grundlegender Widerspruch im Projekt! Da im Opalinuston auch noch sehr aggressives Meerwasser vorhanden ist, wissen die Fachleute nicht, in welches Material sie das zu deponierende Gift verpacken könnten. Selbst nach Meinung des Direktors des Felslabor Mont Terri im Jura werden die Fässer langfristig ohnehin durchrosten. Wie dann der hochgiftige Atomabfall mit dem Opalinuston reagiert, ist völlig unbekannt. Zu all dem ist der Opalinuston temperaturempfindlich. Die Giftbehälter weisen an der Oberfläche Temperaturen bis 100 Grad auf. Das kann zu Umwandlungen im umgebenden Tongestein führen. Das Tiefenlagerprojekt weist erschreckend viele wichtige ungelöste Fragen, Risiken und Widersprüche auf. Das lässt wirklich zweifeln, ob der Opalinuston die an ihn gestellten Sicherheitsanforderungen überhaupt erfüllen kann.  Es ist wichtig, dass wir das dem BfE zur Kenntnis bringen.

Johannes Herter-Leu, Andelfingen

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Aktivitäten