Zürich, 15. Juni 2012
Heute beginnt die Anhörung zum Entsorgungsprogramm für Schweizer Atommüll. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES weist darauf hin, dass das Entsorgungsprogramm keine Antworten auf die vielen offenen Fragen liefert.
Das Entsorgungsprogramm wurde 2008 von der Nagra erstellt. Heute – vier Jahre später – beginnt die Anhörungsfrist (Berichte NTB 08-01 und 08-02 der Nagra). Ziel des Entsorgungsprogramms ist es, die nötigen Schritte auf dem Weg zu einem Tiefenlager festzulegen. Doch die dem Entsorgungsprogramm zugrunde liegenden Elemente wie etwa das Lager-Konzept oder die Vorgehensweise für offene Fragen sind unausgereift und nicht zu Ende gedacht.
Diese Schwachpunkte machen das Entsorgungsprogramm unbrauchbar
1. Das Lager-Konzept ist unausgereift
Ein Atommülllager muss für 1’000’000 Jahre den Atommüll sicher von Mensch und Umwelt fern halten. Denn so lange ist Atommüll gefährlich. Doch das im Rahmen des Entsorgungsprogramms vorgeschlagene Lager-Konzept verfolgt das Prinzip «Aus den Augen aus dem Sinn»: Die Nagra will den Atommüll vergraben, das Lager verfüllen und Gras darüber wachsen lassen. Nachfolgenden Generationen wird so ein giftiges Kuckucksei in den Boden gelegt, ohne dass sie auf unerwünschte Ereignisse reagieren können.
2. Die Langzeitprobleme werden verschwiegen
Nebst den ungelösten technischen Problemen, wie Gas- und Wärmeentwicklung, die zum Teil im Bericht NTB 08-02 behandelt werden, gibt es etliche ungelöste Langzeitprobleme, wie etwa die Lager-Markierung oder den Umgang mit heute noch nicht bekannten Entwicklungen. Es gibt heute weltweit kein Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle und somit auch keine diesbezüglichen Erfahrungswerte. Das Entsorgungsprogramm wischt diese offenen Fragen unter den Tisch.
Die SES fordert ein transparentes Verfahren, das aufzeigt, wie ungelöste Probleme angegangen werden und welches sich fundiert mit der Langzeitproblematik befasst. Für die Sicherheit eines Tiefenlagers ist dies entscheidend. Die SES wird sich aktiv am Anhörungsprozess beteiligen.
Weitere Informationen: «Die 12 ungelösten Fragen der Schweizer Atommüllentsorgung»:
zur Stellungnahme mit den 12 ungeklärten Fragen