Leserbrief veröffentlich am 16. Oktober 2010 im Landboten zum Artikel „Schweizer KKWs – bedingt terrorsicher“, „Landbote“ vom 13. Oktober 2010
Wir müssen uns der weitreichenden Folgen bewusst werden, die unsere Entscheidungen hervorrufen. Gefahr droht nicht nur von terroristischen Angriffen! Oft wird nicht differenziert zwischen Risiken, die das Leben einer Generation aufs Spiel setzen und solchen, die nicht reversible Folgeschäden nach sich ziehen. Schäden also, die sich über Generationen auswirken. „Es gibt keine Sicherheit, nur verschiedene Grade der Unsicherheit“, sagt ein geflügeltes Wort. Jedoch, ob ich russisches Roulette mit meinem eigenen Leben oder am Kopf meines Kindes oder Enkels spiele, macht einen Riesenunterschied.
Der Kernphysiker Hans-Peter Dürr bringt es auf den Punkt mit seiner Forderung: “Wir Menschen sollten nie und nimmer Technologien entwickeln, die bei einem maximal möglichen Störfall zu einem Schaden führen, der nicht mehr von uns verantwortbar ist. Diese Forderung muss gelten, ganz gleich, welche Wahrscheinlichkeiten für den Eintritt eines solchen Störfalls ausgerechnet worden sind.” Ein Zwischenfall in einem Atomkraftwerk, der zwar mit geringer Wahrscheinlichkeit eintritt, aber verheerende langfristige Konsequenzen haben kann, darf nicht auf die gleiche Stufe gestellt werden wie beispielsweise ein „Blackout“ oder der Bruch einer Staumauer. Das Blackout beeinträchtigt die Lebensqualität nur temporär. Ein Staumauerbruch kann im schlimmsten Falle das Leben vieler Anwohner kosten. Wohlverstanden: Auch solche Risiken sind unbedingt möglichst zu vermeiden. Unsere Gesellschaft sollte sich für Techniken entscheiden, die den Vorteil des einen auch zum Vorteil des anderen werden lassen – die den Begriff Nachhaltigkeit verdienen. Wir schulden unseren Kindern eine Zukunft!
Yvonne Bernhard, Trüllikon